Welterbestätte Kloster Lorsch

Königshalle
Kräutergarten
Restaurierungsarbeiten
in der Königshalle
Kirchenrest mit
Ausgrabungsarbeiten

© 2005 Monika Kleineberg

Das UNESCO-Welterbe im Unterricht

Einleitend wurde gemeinsam versucht, Bezüge zwischen dem AG-Thema und dem Generalanliegen der Jahrestagung, die dem Thema „Die Vereinten Nationen – Standort, Probleme, Perspektiven“ gewidmet war, herzustellen. Dabei wurde auf die immer wieder konstatierbaren Diskrepanzen hingewiesen, die zwischen Anspruch und konkreter politischer Wirklichkeit bestehen und auch im praktischen Schulunterricht immer wieder eine wichtige Rolle spielen:

Zum einen sind viele Ziele und Anliegen der Weltgemeinschaft oft wenig bekannt und eben auch reichlich abstrakt, zum anderen haben Schülerinnen und Schüler im Schulalltag eher das Bedürfnis, ganz konkret fassbare UNESCO-Arbeit vor Ort leisten zu können. Ein probates Hilfsmittel in diesem Zusammenhang bietet u.a. die Arbeit im Interesse des Welt-Kultur- und –Natur-Erbes. Die Welterbestätten der UNESCO sind als Erbe der Menschheit definiert, sie taugen daher zu keiner Vereinnahmung durch Partikularinteressen. Sie sagen uns zuerst und vor allem etwas über den Menschen an sich, über seine Kultur und die umgebende Natur. Welterbestätten der UNESCO begegnen den Schülerinnen und Schülern immer wieder in den Medien, auch in den verschiedensten Unterrichtsfächern (Hinweise in Lehrbüchern), bei Urlaubsfahrten im In- und Ausland (zunehmend Hinweise bei Denkmälern und Kulturstätten auf deren Charakter als UNESCO-Welterbestätten und auch Zunahme der braunen Hinweisschilder an den Autobahnen). Hier können sich die Schüler mit konkreten Manifestationen von komplexen Kulturleistungen und einzelnen Elementen der schöpferischen und kreativen Kraft des Menschen, aber auch der destruktiven wie im Fall der Erinnerungsstätte Auschwitz, auseinander setzen. Hier erleben sie ganz konkret, wie sich das Anderssein der Anderen manifestieren kann. Hier kann ihnen u.U. auch verdeutlicht werden, weshalb Schutz und Erhaltung eines bestimmten Welterbes wichtiger sein kann als nationale Souveränität (Interventionen gegen die Zerstörung der Altstadt von Dubrovnik durch die serbische Soldateska oder die der Statuen von Bamian durch die Taliban – im Sinne des Impulsreferates von Frau Dr. Wagner).

Andererseits ist aber am Rande kritisch anzumerken, dass infolge des Jahr für Jahr konstatierbaren rasanten Anwachsens der Welterbe-Liste auf nunmehr immerhin schon 788 Stätten verbunden mit einer relativ spärlichen öffentlichen Informationsvermittlung allmählich der Überblick für einen Schüler verloren zu gehen scheint. Auch in der Öffentlichkeit löst dieses inflationäre Erscheinungsbild zunehmend eine gewisse Abstumpfung aus.

Für den Unterricht bleibt daher die Notwendigkeit, sich auf einige ausgewählte Beispiele der Welterbestätten zu konzentrieren und mittels einer vertieften Betrachtung deren speziellen Wert für die gesamte Menschheit aufzuzeigen. Darüber hinaus kann aber auch der Weg zur Beschäftigung mit dem Denkmal an sich – unabhängig von seinem örtlichen, regionalen oder nationalen Rang – gesucht werden.

"Denkmal" Bestandsaufnahme vor Ort: Frau Meike Gerchow von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz führt zunächst sehr anschaulich und detailliert in die heute übliche Methode der Bestandsaufnahme eines Denkmals ein. Maßgebliche Aspekte sind dabei: Registrierung des Außenbestandes (Fundament, Mauern, Dach), des Inneren (Wände, Boden, Gebäudetechnik) sowie der Gesamtkonstruktion.

Konkrete Arbeit am Objekt „Kloster Lorsch“: Anschließend beschäftigte sich die AG exemplarisch mit einer Welterbestätte, Kloster Lorsch, unter Einbeziehung didaktischer Aspekte. Die Besonderheit dieses ersten hessischen Weltkulturerbes besteht darin, dass von dem aus der Karolingerzeit stammenden Bauwerk nur mehr relativ spärliche Reste erhalten sind: die Torhalle, Teile der einstigen Klosterbasilika, Bauteile in der Erde. Verstreut über viele verschiedene Bibliotheken des In- und Auslandes haben sich einzelne Bücher der einstigen Klosterbücherei ermitteln lassen. So war es notwendig, den Vermittlungsaspekt bei dieser Erbestätte sorgfältig auszubauen und bereits im Jahre 1995 ein eigenes Museumszentrum einzurichten. Maßgebliche Kriterien für diese Arbeit sollten in Lorsch u. a. sein:

  • Einbindung der historischen Dimension,
  • Ergänzung durch interdisziplinäre Verbindungen,
  • Einbringung der handwerklichen Komponente zum Nachvollzug einzelner Techniken,
  • Einbindung von bisher eher vernachlässigten Kleinfunden und Nebengebäuden, experimentelle Erprobung und Präsentation.

Diese für die Museumspädagogik wichtigen Kriterien überlagern sich nun vielfältig mit Kriterien der Schularbeit wie z.B.:

  • Einbringung der historischen Dimension in der Vorbereitung und vor Ort,
  • fächerübergreifende Zusammenarbeit,
  • Schulung der Fähigkeit zu Nachvollzug und Empathie  sowie Referierung und Präsentation.

Auf der Basis dieser Schnittstelle zwischen Museumspädagogik und Schularbeit sollten nun die AG-Teilnehmer zusammen mit der Referentin Claudia Götz, Museumspädagogin aus Lorsch, eigene Unterrichtsmaterialien im Hinblick auf die Präsentation eines Kulturerbes Allgemein oder im Hinblick auf eine Exkursion nach Lorsch erarbeiten.

Die Exkursion zum Kloster Lorsch sollte dann die Möglichkeit bieten, die vorgeschlagenen didaktischen und methodischen Hinweise am konkreten Ort zu überprüfen. (aus: forum 04-3, S. 96, gekürzt)

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