Welterbe AG 2013 im Kloster Maulbronn

Welterbestätte Kloster – Dimensionen der Mobilität

Leitung: Monika Kleineberg, Göttingen, Koordinatorin der UNESCO-Projektschulen für das Welterbe. Dank an Claudia Götz und Patricia Scheuermann von der Welterbestätte Kloster Lorsch für die Unterstützung.

Der Workshop beleuchtet verschiedene Formen von Mobilität, die im Laufe der Jahrhunderte im heutigen Weltkulturerbe Kloster Lorsch eine Rolle gespielt haben.

Als die UNESCO 1991 das ehemalige Kloster Lorsch als „ Kulturerbe der Menschheit“ auszeichnete, würdigte sie eine Kulturstätte, deren bauliche Überreste die einstige Bedeutung der Abtei des Heiligen Nazarius kaum mehr nachvollziehen lassen. Gäbe es nicht die so genannte „Königshalle“, einen der besterhaltenen karolingerzeitlichen Repräsentationsbauten aus dem 9. Jahrhundert, wäre den meisten Menschen das Kloster an der Hessischen Bergstraße wohl unbekannt.

In vergangener Zeit jedoch war das Kloster Lorsch, das zum Jahr 764 ein erstes Mal erwähnt wird, als Abtei des Königs (seit 772), später des Erzbischofs von Mainz (seit 1232), eines der bedeutendsten kulturellen Zentren Europas vor der ersten Jahrtausendwende. In Klöstern wie Lorsch wurde entschieden, welches Wissen der lange zurückliegenden Zeit der Antike die eigene Gegenwart erreichte und der Nachwelt überliefert werden sollte und was nicht. Rund 300 erhaltene Handschriftenbände, heute weltweit verstreut, bezeugen die herausragende Bedeutung der Lorscher Bibliothek und des klösterlichen Skriptoriums.

Und dann war Lorsch natürlich auch ein wirtschaftlich bedeutsamer Ort: Tausende von Besitzungen von den heutigen Niederlanden bis in die Schweiz in heute fünf europäischen Nationen verschafften dem Kloster des Heiligen Nazarius umfangreiche Einkünfte. Sie sind in dem zwischen 1170 und 1200 entstandenen „Lorscher Codex“ verzeichnet. Das Kloster hatte das Recht, an drei verschiedenen Orten eigene Münzen zu prägen, Märkte abzuhalten, es verfügte über wichtige Handelsplätze, einen eigenen Rheinhafen und einige wichtige Privilegien.

Beides sind wichtige Faktoren, an denen sich unterschiedliche Formen von Mobilität ableiten lassen, die im Rahmen des Workshops genauer beleuchtet wurden.

Am Freitag fand eine ganztägige Exkursion für die AG zur Welterbestätte Kloster Maulbronn statt. Das Kloster Maulbronn gilt als die am vollständigsten erhaltene mittelalterliche Klosteranlage der Zisterzienser nördlich der Alpen. Die Zisterzienser begannen Mitte des 12. Jahrhunderts mit dem Bau – über die Jahrhunderte entstand eine riesige Klosterstadt. Seit 1993 gehört das Kloster zum UNESCO-Weltkulturerbe. Herzlichen Dank an Frau B. Gittinger, der stellv. Leiterin der Klosterverwaltung Maulbronn für die wunderbare Führung.

Mobile Lebensformen im Mittelalter

Reisekönigtum
Pilger
Kaufleute
Fahrendes Volk

Mobilität auf unserem Weg zum Kloster Maulbronn

Fußweg vom Akademiehotel
Albtalbahnhof in Karlsruhe
Bahnhof Bretten
Busbahnhof in Bretten
Fußweg zum Kloster
Hotel Klosterpost
Kloster Cafe
Weinberge des Klosters
Romanische Chorschranke
Dreischaliger Brunnen
Herrenrefektorium
Kloster mit Wirtschafts-
und Verwaltungsgebäuden
"Fruchtkasten" für Vorratshaltung
Eindrucksvolle Außenmauer
Spezielles Ablaufsystem
vom Tiefen See zur Mühle
Naturfreibad Tiefer See
ohne Worte
künstlich angelegte Wasserwege
rund ums Kloster
Faustturm
Bushaltestelle in Maulbronn
Bahnhof Bretten

Die Welterbestätte als Bildungsort

"Welterbepädagogik ist kein Unterricht im Museum oder am geschichtlichen Ort. Hier geht es um ganz andere Ziele: um eine multiperspektivische Annäherung an Geschichte, um eine Ansprache möglichst aller Sinne, um Geschichte zum Anfassen, um altersgerechte Information, um Erfahren und Erleben des Zusammenhangs von Vergangenheit und Gegenwart. Es geht nicht darum, dass Kinder und Jugendliche nachher die Regierungsdaten Karls des Große aufsagen können - sondern es geht darum, dass sie wissen, warum Klöster sich wichtig waren und warum das, was aus Vergangenheit übrig geblieben ist, so wertvoll ist, dass wir es schützen dürfen. Und es geht darum, Neugier zu wecken, ein Kulturdenkmal oder ein Museum als einen Ort zu entdecken, der spannend ist und etwas mit mir zu tun hat, mit meiner Lebenswirklichkeit, mit meinen Fragen und Erwartungen." (Quelle: Zeitschrift für Freunde des Weltkulturdenkmals Kloster Lorsch, Ausgabe 01/2006, S. 5/6)

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